Aus den DTL-Tipps:
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Viele Tinnitusbetroffene berichten über eine Intensivierung ihrer Ohrgeräusche bei starker Belastung. So wird von einigen die Lautheit des Tinnitus vermehrt wahrgenommen, für die meisten aber verändert sich eher das Erleben ihrer gleich laut gebliebenen Ohrgeräusche. Sie empfinden sie bei Stress als weniger erträglich. Wiederum andere schildern, sie hörten ihren Tinnitus ausschließlich in oder nach längeren "Stressphasen". Da Stress als ein wesentlicher Auslöser für Ohrgeräusche wissenschaftlich eingehend diskutiert wird, erscheint eine Verstärkung dieser Hörsymptomatik bei ausgeprägten oder anhaltenden Belastungen auch naheliegend. Welche speziellen körperlich-seelischen Vorgänge die Verschlimmerung auslösen, wird bisher nur vermutet. So wird zum einen davon ausgegangen, dass andauernde körperliche Stressreaktionen (u. a. erhöhte Blutgerinnung, Muskelspannung und Nervenerregung) die höchst empfindliche Nährstoffversorgung des Innenohres ("körperliche Schwachstelle") mit den darin befindlichen eigentlichen Hörzellen stören. Einige dieser Zellen werden hierdurch in ihrer Funktion gestört, andere gehen unter. Sie beginnen, falsche Hörsignale an das Gehirn zu senden. Zum anderen wird angenommen, dass auf dem nervlichen Weg der Hörverarbeitung vom Innenohr bis in die einzelnen Gehirnbereiche die Bahn des Hörnervs einige "Tore" durchläuft, die einen maßgeblichen Einfluss auf das persönliche Erleben des Hörreizes - hier speziell dem Tinnitus - ausüben. So "öffnen" sich einzelne Tore beispielsweise jeweils bei Unruhe und Spannung oder bei belastenden Emotionen (Ängste, Niedergeschlagenheit, Unsicherheit o. ä.), andere bei pessimistischen Gedanken und katastrophisierenden Vorstellungen. Das Geräusch wird dann üblicherweise als quälender empfunden. Glücklicherweise kann diesen dargestellten Stress-Vorgängen aber mit einem psychologischen Stress-Management effektiv entgegengewirkt und eine Vorsorge für die Zukunft getroffen werden. In der Regel braucht eine Tinnitusverstärkung nicht zu ängstigen, da sie sich bei genügender Erholung mittelfristig wieder zurückbildet. Ein tinnitusbetroffener Mensch muss daher nicht allgemein jeglichen Stress meiden, sondern nur bei chronischen oder extrem ausgeprägten Belastungen vorsichtig sein und lernen diese sinnvoll zu bewältigen. Axel Schildt, Psychologischer Psychotherapeut, Hamburg |
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