Tinnitus-Risiko durch seelische Anspannung

Forscher haben seelisch-körperliche Anspannung als wesentliche Ursache für lästige Ohrgeräusche (Tinnitus) ausgemacht. In erster Linie Einschlafstörungen, Ängstlichkeit und Lebensunzufriedenheit fördern die chronische Entwicklung dieser Krankheit.

Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie von Miriam Olderog und Michael Langenbach an der Universitätsklinik für Psychotherapie in Köln. Knapp drei Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland von chronischen Ohrgeräuschen betroffen. Jeder achte entwickelt einen enormen Leidensdruck.

Das gängige Behandlungsmodell zielt darauf ab, bei diesen Menschen die Tinnitus-Toleranz durch Bewältigungsstrategien zu verbessern. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes ist, so Olderog und Langenbach, unzureichend. Die Ergebnisse ihrer Studie unterstützten eher die Annahme, dass sich die Ohrgeräusche bei diesen Menschen auf der Grundlage einer erhöhten seelisch-körperlichen Anspannung ausbilden, deren Symptome sich im weiteren Verlauf der Krankheit verstärken. Dieser Befund fordert nach Ansicht der beiden Wissenschaftler zu einem Umdenken in der psychologischen Tinnitusforschung auf. Die psychologischen Behandlungsansätze des chronischen Tinnitus dürften sich nicht länger auf Strategien zur Erhöhung der Tinnitus-Toleranz beschränken, sondern müssten die individuellen Belastungsfaktoren des Patienten in den Mittelpunkt der Psychotherapie stellen. Dabei sei den Belastungen, die zum Zeitpunkt des Auftretens der Ohrgeräusche vorlagen, eine besondere Aufmerksamkeit beizumessen. ddp

Artikel vom 11.3.2004 (eingescannt am 29.7.04)