Schlafstörungen

Das Wort "Schlaf" ist altgermanischen Ursprungs. "Schlafen" bedeutet ursprünglich "schlapp werden" und ist mit dem Eigenschaftswort "schlaff" verwandt.

Für die Germanen waren Schlaf und Tod Geschwister, beide wurden als "Sandmann" ("Sendbote") bezeichnet.

Der Schlaf ist als aktiver Erholungsvorgang der Stoffwechselvorgänge im Gehirn anzusehen. Er tritt in Phasen auf und wird durch das Schlafzentrum kontrolliert.

Das Bewusstsein ist während des Schlafen gemindert, man ist aber jederzeit durch Reize erweckbar. Das vegetative Nervensystem wird umgestellt auf: 
Bradykardie (Verlangsamung der Schlagfrequenz des Herzens
Kreislauf- und Muskelhypotonie (Hypotonie = Spannungserniedrigung)
verminderte Ansprechbarkeit des Atemzentrums.

Durch die Elektroenzephalographie kann man die im Gehirn entstehenden Ströme aufzeichnen. Im Wachzustand herrschen Beta- und Alphawellen, im Schlaf hingegen Deltawellen mit hohen Amplituden vor.

Der normale Schlaf zeigt ein typisches Profil mit 5 ausgeprägten, zyklischen Schlafstadien.

Der Schlaf kann in zwei Schlafformen unterteilt werden. Die erste Form ist der orthodoxe oder NON-REM-Schlaf, der sich in 4 verschiedene Phasen unterteilt, die hintereinander durchlaufen werden. 

Der orthodoxe Schlaf beginnt mit dem Einschlafstadium, das Stadium I, darauf folgt das Leichtschlafstadium, das Stadium II, danach wird die Phase eines mitteltiefen Schlafes durchlaufen, auch als Stadium III bezeichnet, und als Stadium IV folgt der Tiefschlaf. 

Nach der Phase des Tiefschlafs folgen wieder die übrigen drei Stadien in umgekehrter Reihenfolge und gehen in den REM-Schlaf über, der auch als paradoxer Schlaf bezeichnet wird. In dieser Phase ist die Muskulatur besonders entspannt und es besteht eine verminderte Weckbarkeit. 

Charakteristisch für den REM-Schlaf sind schnelle Augenbewegungen des Schlafenden, die durch Messung der elektrischen Aktivität der Augenmuskulatur festgestellt werden können. Die schnellen Augenbewegungen werden im Englischen mit "rapid-eyes-movement" bezeichnet, wobei die Abkürzung REM diesem Schlafstadium den Namen gibt. In dieser Phase, die 3-60 Minuten dauert, wird besonders lebhaft geträumt. 

Für einen natürlichen und gesunden Schlaf sind beide beschriebenen Schlafformen wichtig. Neben ausreichend langen Tiefschlafphasen sind auch die REM-Phasen erforderlich. 

Versuchspersonen, die in experimentellen Untersuchungen einem Traumentzug unterzogen wurden, klagten über Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten und gereizte Stimmung. 

Zusätzlich wurde beobachtet, dass Menschen, die viel Lernen, verlängerte REM-Phasen aufweisen.

Der Mensch verschläft ca. ein Drittel seiner Lebenszeit. Dabei ist das Schlafbedürfnis sehr unterschiedlich. Um tagsüber voll leistungsfähig zu sein, benötigt jemand acht Stunden Schlaf, ein anderer gleichaltriger nur vier Stunden.

Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu Änderungen des Schlafprofils. Gesamtschlafdauer, Schlaftiefe und Anteil des REM-Schlafes nehmen ab.

Ursachen

situativ psychoreaktiv psychiatrisch neurologisch internistisch pharmakogen
Umgebung,
Zeitver-
schiebung
Ärger,
Aufregung,
Angst
(endogene)
Depression,
Psychosen,
organische
Psychosyndrome,
Neurosen
Myoklonus
(Zuckungen),
Restless legs,
Schmerz-
syndrom
herzbedingt,
Schlafapnoe,
Hautjucken,
Inkontinenz
Alkohol,
Drogen,
Betablocker,
Diuretika,
Stimulanzien,
Nootropika *

* Auch Genussmittel wie Kaffee, schwarzer Tee und Cola-Getränke können zu Schlafstörungen führen.

Außerdem Schlafstörungen ohne erkennbare Ursache oder nicht nachgewiesener Ursache (idiopathische Insomnie).

Regulationsstörungen u. a. im Bereich der Neurotransmitter Serotonin, Acetylcholin und GABA eine Rolle.

Psychologische Faktoren wie Konditionierungsprozesse und "fehlgelerntes" Verhalten sind ebenfalls von Bedeutung.

Insbesondere bei Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus spielen berufliche und psychosoziale Faktoren (Schichtarbeit, wiederholtes Reisen über Zeitzonen hinweg ("Jet lag") sowie verhaltensbezogene Ursachen (z. B. zu frühes Zubettgehen alter Menschen, nächtliche Vergnügungen, Lebensrhythmus) eine Rolle.

Typen

Insomnien (oder Hyposomnien)

Häufigste Schlafstörung.

  • Einschlafstörungen
  • Durchschlafstörungen
  • Früherwachen

(auch kombiniert)

Fast immer entwickelt sich ein Fixiertsein auf das Schlafen-Können sowie eine Angst vor Schlaflosigkeit. Dies führt zu einem Circulus vitiosus: Der ansonsten "automatisch-natürlich" ablaufende Biorhythmus des Vegetativums verändert sich durch die ständige Beschäftigung mit der potentiellen Gestörtheit des Schlafes.

Die Patienten legen sich typischerweise mit erhöhter Anspannung und besorgter Ängstlichkeit zu Bett, grübeln über persönliche Probleme und versuchen zudem häufig, ihren Zustand durch Einnahme von Medikamenten oder Alkohol günstig zu beeinflussen. Tagsüber fühlen sie sich dann psychisch und körperlich matt, klagen über verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie über Irritierbarkeit und Reizbarkeit, sind dysphorisch-verstimmt.

Hypersomnie

Hypersomnie äußert sich als exzessive Schläfrigkeit während des Tages und in Schlafanfällen, die nicht durch eine unzureichende Schlafdauer erklärbar sind.

Die Patienten haben die Neigung, zu unangemessener Zeit einzuschlafen, wobei nicht selten ein Zusammenhang mit bestimmten unangenehmen Erlebnissen besteht.

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Die Umkehr des Nacht-Tag-Rhythmus führt zu Klagen über Schlaflosigkeit während der üblichen Schlafperiode und Hypersomnie während der Wachperiode.

Die Betroffenen sind deutlich erschöpft und in ihrer sozialen und beruflichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Besonders betroffen sind Schichtarbeiter und Personen mit häufigen Fernreisen über Zeitzonen hinweg.

Fragen zur Diagnostik

  • Welche Art der Schlafstörung?
  • Dauer, Verlauf und Rhythmus der Schlafstörung?
  • Schlafverhalten?
    - Zeit im Bett
    - Abendgestaltung
    - Einschlafgewohnheiten
  • Schlafbeeinflussende Lebensumstände?
  • Umgebungseinflüsse (Lärm, Temperatur)?
  • Vorbehandlung (medikamentös und nichtmedikamentös)?
  • Symptomatik während der Schlafperiode
    - Gedankenkreisen
    - Grübeln
    - Anspannung
    - Atemstörungen
    - unruhige Beine
    - Alpträume
  • Tagesbefindlichkeit
    - Leistungsfähigkeit
    - Tagesrestwirkung von Medikamenten
    - Aktivität

Dauern die Schlafstörungen an, sollte ein Allgemeinmediziner aufgesucht werden.

Da ein großer Teil der Schlafstörungen psychoreaktiv-situativ und/oder organisch bedingt ist, muss besonderes Augenmerk auf diese Faktoren gerichtet werden. Dies bedeutet unter anderem, dass im Zweifelsfall vom Arzt auch die private und berufliche Lebenssituation eruiert werden muss.

Es hat sich bewährt, den Patienten einen Schlaffragebogen ausfüllen sowie ein "Schlaftagebuch" führen zu lassen.

Besonders bei Verdacht auf organisch bedingte Insomnien oder bei chronischen und schweren Schlafstörungen empfiehlt sich die Vorstellung in einer Schlafambulanz / einem Schlaflabor.

Therapie

Schlafstörungen, die durch andere Erkrankungen bedingt sind, lassen sich in der Regel bei Behandlung der Grunderkrankung beseitigen.

Nach dem Ausschluss organisch-symptomatischer Ursachen und psychiatrischer Erkrankungen:

  • Information, Aufklärung und Beratung über die physiologische Schlafdauer
  • Beseitigung schlafstörender Faktoren (soweit möglich)
  • Die optimale Schlafzimmer-Temperatur sollte bei ca. 16° C liegen.
  • Das Bett orthopädisch-physiologischen Anforderungen entsprechen.
  • Ein schlechter Schläfer sollte sich nur zum (nächtlichen) Schlafen ins Bett legen, um die Konditionierung "Bett = Schlaf" nicht zu löschen.
  • Es gilt die Empfehlung, den Tag "ausklingen" zu lassen, also die physiologische Umschaltung von Spannung auf Entspannung zu ermöglichen.
  • Besonders bei älteren Menschen sollte für ausreichende körperliche Aktivität und eine Begrenzung des Schlafes am Tage gesorgt werden, um eine "natürliche Erschöpfung" am Abend zu ermöglichen.
  • Nicht zu früh ins Bett gehen!
    Der normale Schlafbedarf liegt in der Regel bei sechs bis sieben Stunden, d. h. bei Zubettgehen um einundzwanzig Uhr und Wachliegen ab vier Uhr liegt keine Schlafstörung vor.

Zu den psychotherapeutischen Maßnahmen zählen Entspannungsverfahren (Einschlafstörungen sind häufig "Abschaltstörungen") sowie unter anderem folgende Verhaltensregeln:

  • Bei anhaltender Schlafstörung sich müde lesen, aufstehen und sich aktiv beschäftigen, statt sich unruhig im Bett zu wälzen.
  • Wichtig ist, keine Schlaferwartungsangst aufkommen zu lassen und sich nicht durch unnötige Ängste hinsichtlich physiologischerweise auftretenden Veränderungen im Schlaf (z. B. Einschlafzucken, Körperbewegungen im Schlaf) verunsichern zu lassen.

Hypnotika als Schlafmittel sind verschreibungspflichtig. Die Einnahme sollte nur zeitlich befristet sein (2 - 4 Wochen) und nur bei Bedarf erfolgen, weil die Gefahr der Gewöhnung bis Abhängigkeit besteht.

Dabei ist besonders auf eine mögliche Tagesrestwirkung ("hang over") zu achten (Substanzen mit langer Halbwertzeit).

Hypnotika sollen nur langsam abgesetzt werden, sonst kann es zu einer Entzugssomnie kommen.

Zunächst kann ein Behandlungsversuch mit einem Phytotherapeutikum gemacht werden.

  • Hopfen
  • Baldrian
  • Johanniskraut

Welche den Vorteil eines geringen Behandlungsrisikos besitzen.

Bei Johanniskrautpräparaten wirkt der Inhaltsstoff Hypericin photosensibilisierend. Um kosmetisch störende Hautverfärbungen zu vermeiden, sollten Sonnenbäder und Solarien gemieden werden. Exakte Untersuchungen hinsichtlich chronischer Toxizität liegen bisher nicht vor, so dass die Unbedenklichkeit bei längerfristiger Einnahme zumindest fraglich ist.

 

 

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