Begriff: Objektiver Tinnitus

Darunter versteht man ein Ohrgeräusch, was nicht nur der Betroffene hört, sondern auch für den Arzt hör- und messbar ist.

Es kann hervorgerufen werden u. a. durch

  • Verspannungen der Mittelohrmuskeln
  • ruckartige Öffnungsbewegungen der Ohrtrompete
  • Verengung von Arterien in der Nähe des Ohres
  • Muskelvibrieren im Bereich der kleinen Muskeln des Mittelohrs.
  • Bei krankhaft veränderter Ohrtrompete sind Atemgeräusche, 
  • bei Gefäßmissbildungen Strömungsgeräusche der Arterien vernehmbar.

Ein objektiver Tinnitus liegt also vor, wenn eine körpereigene Schallquelle in der Nähe des Ohres gehört wird. Er kommt selten vor (ca. 1 % aller Tinnitus-Fälle).

"Objektiver" Tinnitus

Von Friedemann Örtel (mit Ergänzung)

> Diese dB-Zahl bezieht sich immer auf die individuelle Wahr-
> nehmungsschwelle im Frequenzbereich des Tinnitus, Beispiel:
>
> Wahrnehmungsschwelle im Frequenzbereich um 8000 Hz:  65 dB
>
> absolute Lautheit eines 8000 Hz-Tinnitus:  75 dB
>
> ==> objektiver Tinnitus:    75 dB - 65 dB = 10 dB
>
> > ... alles andere sind dann subjektive Faktoren.
> >
> > Richtig, der eine kann mit (objektiven) 20 dB recht passabel
> > leben, den anderen beeinträchtigen (objektive) 3 dB bereits
> > > ganz erheblich.

> 1. Woher weiß man, dass bei jedem Individuum der "objektive" Tinnitus
> 20 dB über der Wahrnehmungsschwelle liegt? Wie kann man einen
> "objektiven" Tinnitus überhaupt messen? Sollte ein objektiver Tinnitus
> außer vom Subjekt nicht auch von einem objektiven Beobachter hörbar
> sein?

Ich nehme an, oben ist mit objektiver Tinnitus ein Begriff gemeint, der
besser als "wirkliche Lautstärke des Tinnitus" angegeben werden sollte.

Als Erklärung:
Objektiven Tinnitus kann man von Außen mit einem Stethoskop hören.
Er kommt z. B. durch das pulssynchrone Pumpgeräusch des Pulsschlags
oder durch Zucken von Muskeln am Trommelfell zustande.

Subjektiven Tinnitus kann nur der Patient hören. Alle Schilderungen
des s. T. sind also nur unter Mithilfe des Patienten zu messen (lauter,
leiser als ...) und daher nicht objektiv. Man könnte schummeln. :-(
Allerdings kann man mit den OAE (otoakustischen Emissionen) die
subjektiven Angaben des Patienten umgehen. Mit einem Minilautsprecher und einem nahe daran angebrachten Minimikrofon kann man per Schall die Haarzellen im Innenohr zum Bewegen anregen, den Schall dann plötzlich abstellen und dann das "Blätterrauschen" der Haarzellen mit dem Mikro wieder aufzeichnen. Die Messung dieses leisen Geräusches ist dann ohne Zutun des Patienten, also eigentlich objektiv.

Nun also zur Beantwortung der  Frage 1:
Man piepst Dir Töne mit immer weniger Lautstärke ins Ohr
und misst, bis zu welcher Lautstärkeabsenkung Du sie gerade noch
hören kannst.
So kommt man auf die 65 dB Hörverlust.

Das wäre mir neu, normalerweise wird ja eine Audiometrie mit einem 
von Null aus  a n s t e i g e n d e n  Pegel durchgeführt und der Proband 
sagt, wenn er den Ton erstmals hört.

> 2. Im Satz des obigen Beispiels "Wahrnehmungsschwelle im
> Frequenzbereich um 8000 Hz:  65 dB" ist unklar auf was sich die 65 dB
> beziehen. dB ist auch hier nur ein relatives Maß und es muss ein
> Bezugspegel angegeben werden. Welcher?

Die Verdoppelung der Lautstärke ist immer genau 1 dB mehr.
Es wird also nicht linear gemessen.

Es sind 10 dB.

Ich nehme an, dass die 0 dB irgendwann einmal genormt festgelegt
wurden.

0 dB Hörminderung hat der junge, optimal hörende Mensch.
Im Alter lässt vor allem das Hochtongehör nach.

Die 0 dB wurden als Bezugsgröße für einen Schalldruckpegel von 
20 mikroPascal bei 1000 Hz festgelegt; dieser unterste Pegel der 
Wahrnehmung (= Hörschwelle) wurde durch eine Vielzahl von 
Audiogrammen an jungen und (noch) gesunden Ohren ermittelt.

Die Lautstärke des Tinnitus wird mit einem Ton gemessen, der den
Tinnitus gerade überdeckt, sodass Du ihn nicht mehr hörst: Ver-
deckungslautstärke..

Die Tinnilautstärke wird durch einen  V e r g l e i c h   mit einem Ton 
(oder einem Schmalbandrauschen) bei bekannter Frequenz und bekanntem 
Pegel ermittelt.

Damit hat man seine persönliche (momentane) Tinnituslautstärke
festgestellt.

...wobei die Angabe: "Ich hab einen Tinni von 65 dB" (als Beispiel) für 
sich alleine noch nichts aussagt, es müßte sinnvollerweise heißen: 
"Mein Tinni ist 65 dB laut bei einer Frequenz von 8000 Hz, und meine 
Hörschwelle bei der Frequenz ist 60 dB."

Die Tinnilautstärke wäre demnach 65 dB - 60 dB = 5 dB. In der Literatur 
wird die Tinnilautstärke auch als "Sensation Level (SL)" bezeichnet.

Mit den 20 dB sind sich die Experten mal wieder nicht einig
 - wen wundert's ;-(

Es gibt z. B. auch eine Studie (Meikle und Taylor-Walsh / 1984) 
mit 502 Patienten und diesem Ergebnis:

 

Patienten | SL
  (%) | (dB)
------------ | ------------
51 | 0 - 3
28 | 4 - 6
8 | 7 - 8
4 | 10 - 12
3 | 13 - 15
4 | größer 16

> 3. Meine eigenen Erfahrungen zeigen mir, dass der subjektive Tinnitus
> innerhalb von Sekunden aus der besten Entspannung und einem guten
> Wohlbefinden heraus stark ansteigt.

Dies ist eine richtige Beobachtung.

> Es scheint mir wahrscheinlich, dass
> bei konstantem Sichbefinden eher der "objektive" als der subjektive
> Tinnitus ändert. "Objektiv" muss da wohl etwas Physiologisches im Körper
> passieren, z. B. Beeinflussung eines der Nerven, die ja in
> komplexer Weise von den Härchen des Ohres bis zum Kortex und umgekehrt
> verlaufen.

Ich nehme an, dass das eher die psychische Ursache ist , die den T.
anschwellen lässt.
Die Modulation der 2. Haarzellenreihe in der Schnecke sollte m. E.
eigentlich ständig erfolgen.
Der andere Effekt, die Psyche, sollte dann den Rückkoppelungseffekt,
ähnlich wie das Pfeifen bei Mikrofon und Verstärker hervorrufen.
Aber das weiß ich nicht sicher, das vermute ich. Erscheint mir logisch.

> Meine Frage: Ist die These vom Tinnitus, der objektiv 20 dB über der
> Wahrnehmungsschnelle festliegt und alles andere subjektiv sei, zwar
> ein therapeutisch vertretbares simples Modell, aber sonst eine
> unbewiesene Hypothese?

Das ist die Folge einer empirischen Untersuchung. Dr. Schaaf in
Bad Arolsen und andere haben das mit vielen Messungen in den
verschiedensten Situationen ausgemessen.
Ich hatte früher auch immer gedacht, dass der Tinnitus viel lauter
sein müsse als 20 dB, besonders in belastenden Situationen bei Lärm
und auch in Ruhe, z. B. vor dem Einschlafen.

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