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Antwort:
Die ca. 20 dB sind richtig, es ist der
objektiv messbare "Lärm", der im Bereich des Innenohrs entsteht. Man
kann ihn mit einem gleichstarken Geräusch maskieren (eine Rausch-Maske "darüberstülpen"),
sodass er verschwindet. Das ist / war in etwa das Konzept des Maskers / Noisers
/ Rauschers.
Was aber bei jedem Einzelnen durch persönlich unterschiedliche Bewertung des T.
dabei herauskommt, ist extrem unterschiedlich. Es reicht von einer leicht erträglichen
Belästigung bis zum Suizidversuch. Woran liegt das?
1. Physikalische Verstärkung:
Wenn das Hirn in einigen Frequenzbereichen im "Hörzentrum" wegen
eines auch nur geringen Haarzellenschadens keinen vernünftigen, für das Hirn
bekannten Sound hört, sondern nur dieses Rauschen, strengt es sich braverweise
an, etwas zu hören, d.h. es moduliert in der Schnecke (im Innenohr) mit Hilfe
der zweiten Reihe von Haarzellen dieselben so, dass im Hirn alles lauter
ankommt, leider auch der Tinnitus.
Das geschieht automatisch, unbewusst. So würdest
Du vergleichbar (aber bewusst) ein Radio lauter drehen, wenn Du etwas schlecht
verstehst, nur ein Rauschen hörst.
Wenn’s dann im Ohr durch die genannte, automatische Verstärkung zu laut wird,
kann
leicht eine Hyperakusis (Lärmüberempfindlichkeit) auftreten, weil ja in einem
weiten
Bereich alles lauter wird.
2. "Psychische Verstärkung" / Bewertung:
Wenn das Hirn (besonders das Limbische System) vom Ohr ein unbekanntes,
undefinierbares Geräusch empfängt, erfolgt sofort im Unbewussten eine
Bewertung des Geräuschs. Diese Bewertung erfolgt schon, BEVOR das bewusste
Denken einsetzt und das Geräusch im Hörzentrum überhaupt gedeutet und z.B.
als Sprache, Musik, o. a. verstanden
wird.
Es ist also ziemlich gemein zu sagen: "Hör halt einfach weg!" (Oft
auch Zitat gewisser Ärzte, die sogenannten "damit-müssen-Sie-leben-Typen").
Man KANN nicht weghören, da man diesen Bereich im Hörablauf NICHT beeinflussen
KANN!
Man
kann höchstens gezielt auf etwas anderes hören, dem Hirn Ablenkung anbieten
(Musik, Vogelstimmen, ..)
So ein undefinierbares, vom Hirn nicht irgend einer bekannten Ursache
zuordenbares Geräusch ist der Tinnitus.
Wir haben es hier mit einer Warneinrichtung aus der Urzeit zu tun: Schon ein
Knacken eines Astes versetzte sinnvollerweise den Steinzeitmenschen in helle
Aufruhr, es könnte ja ein gefährliches Raubtier oder ein Überfall eines
anderen Stammes hinter dem Geräusch stecken. Logo war höchste Aufmerksamkeit
angesagt! Angst! Alarmstimmung!
Somit wird dem Geräusch vom Unbewussten so lange eine herausragende Bedeutung
gegeben, bis die Ursache ergründet bzw. beseitigt ist. (Z.B. Geräusch eines
Tieres nachts in einer Ferienwohnung in der Südsee. Ist es eine Schlange? Ein
Skorpion -> Panik! Wenn sich das Geräusch als harmlos herausgestellt hat,
kehrt wieder innere Ruhe ein.)
Die im Unterbewussten verankerte, von uns so leicht nicht beeinflussbare
"Automatik"
spielt uns also einen bösen Streich. Es kommt zu unbewussten Ängsten.
Wenn einem die Harmlosigkeit des Tinni klar ist (es gibt nur selten ganz wenige,
gefährliche Ursachen für den T., z. B. MS oder ein Neurinom), dann kann man
daran gehen, den Patienten "umzupolen", er soll Weghören lernen, im
Unterbewusstsein die Gefahrlosigkeit des T. verinnerlichen. TRT ist ja auch eine
Methode des Wegtrainierens.
Das geht z.B. mit ...
- Einige Zeit weg vom beruflichen / persönlichen
Stress, Nachdenken über die persönliche Situation, eingelaufene, falsche
Verhaltensweisen (Stresstyp, Verantwortungstyp) abbauen (ich muss immer toll
sein, darf nicht auf mich achten, ...)
- Atemübungen (wer auf seinen Atem achtet, kann nicht
zugleich auf den T. achten)
- Entspannungsübungen
(PMR, autogenes Training, ...)
- Wohlfühlaktivitäten (Massage u. a.)
- Körpertrimmen (gemäßigter Sport, Wandern)
- gesunde Ernaehrung, viel Wasser trinken
- Beseitigung von persönlichen Problemen (Ängste,
Neurosen, Depressionen vor oder durch T.) durch gute, T.-erfahrene
Psychologen
- Hörtraining (Weghören, gezieltes Hören auf andere
Dinge)
- u. v. a. mehr
Das Dumme an der Sache ist: Man kann dem Unterbewusstsein nicht so einfach
sagen: "Reg Dich nicht unnötig auf, der T. ist etwas ganz
Unwichtiges!", sondern man muss das Unterbewusstsein laaaangsam darauf
hinbewegen, es umprogrammieren.
Wenn man das schafft, kann man auf diesem Umweg den chronischen Tinnitus
etwas "wegdenken" - zumindest über einige Zeit, bis der nächste
Stressfaktor, ein Rückfall in die alten, ungesunden Verhaltensweisen o. a.
einen wieder "zurückpfeift". Es geht also um ein leichteres
Ertragen-Können, nicht um eine Beseitigung.
Hilfreich ist dabei, dass viele Tinnies eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur
haben (Typ
A) und man da ansetzen kann.
Aber: Das Unterbewusstsein bzw. seinen Verhaltensstrukturen umzuprogrammieren
ist eine sehr, sehr langwierige Angelegenheit.
Zurück zu Deiner Frage: Man kann zwar die 20 dB Tinnigeräusch nicht
abschalten, aber man kann versuchen, das Hochdrehen, unbewusste Überbewerten
des Tinnitus, welches ihn so lästig werden lässt, abzutrainieren. Und das ist
doch schon was, oder?
Schenken wir ihm weniger Aufmerksamkeit.
Eine Heilung für den langjährigen, chronischen Tinnitus gibt es leider nicht.
Dabei sollte man daran denken, dass der T. ja nur ein SYMPTOM für eine Überlastung,
eine sinnvolle Automatik der Natur ist, KEINE KRANKHEIT. Der überlastete Körper
bremst uns aus. Erst die Folgen (Depressionen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen
...) können dann behandlungsbedürftige Krankheiten sein.
In diesem Sinne: Lernen wir weghören!
Das wäre dann wohl die von Dir angesprochene Arbeit an sich selbst.
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