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(Artikel
geschrieben für das "Tinnitus-Forum" - Mitgliederzeitschrift
der Ich hatte schon viel von Familienaufstellungen gehört und jetzt ist es endlich so weit. Das Seminar, verteilt auf 2 Wochenenden mit je 8 Aufstellungen, beginnt. Wir sind 9 Frauen und 7 Männer, die ihre Familien aufstellen lassen wollen, und sitzen in einem großen Kreis. Die Aufstellungsleiterin, eine Diplom-Psychologin, stellt sich vor und gibt uns Erläuterungen zum Seminarablauf. Auch wir nennen unsere Namen und was wir uns von der Aufstellung versprechen. In einem Vorgespräch hatten wir bereits mit der Aufstellungsleiterin besprochen, warum wir eine Aufstellung machen lassen wollen. Wichtig war, inwieweit wir nachbetreut werden, weil eventuell Sachen „hochgeholt“ werden, die mit einem Therapeuten nachbearbeitet werden müssen. Für die Familienaufstellung werden von der Dipl.-Psychologin nur Personen zugelassen, die ihres Erachtens stabil genug sind. Die erste Aufstellung beginnt damit, dass die Therapeutin mit der Klientin klärt, ob sie die Ursprungs- (Eltern, Geschwister usw.) oder die Gegenwartsfamilie (Partner/in, Kinder usw.) aufstellt. Das ist oft vom Anliegen abhängig. Die Klientin wird kurz nach den wesentlichen Ereignissen, die sich in den letzten zwei Generationen ihrer Familie ereignet haben, befragt. Dann legt die Leiterin fest, welche Familienmitglieder aufgestellt werden sollen. Die Klientin sucht sich für jedes lebende, aber auch für jedes tote Mitglied der Familie einen Stellvertreter aus den Reihen der anderen Seminarteilnehmer(innen) aus. In der Regel wird für ein weibliches Mitglied eine weibliche Stellvertreterin und für ein männliches Mitglied ein männlicher Stellvertreter ausgesucht. Die Klientin fragt auch eine Seminarteilnehmerin als Stellvertreterin für sich selbst: „Willst Du in meiner Aufstellung die Rolle von mir übernehmen?“ Selbstverständlich kann die Seminarteilnehmerin ablehnen, wenn sie einen Grund für die Ablehnung hat. Die ausgewählten Stellvertreter(innen) stellen sich vor ihren Stuhl hin. Als alle ausgewählt sind, führt die Klientin die Stellvertreter (ohne zu sprechen) der Reihe nach an einen Platz in der Mitte des Kreises. Dieses Aufstellen soll ohne Überlegen erfolgen, so wie es sich für die Klientin im Moment stimmig anfühlt. Wenn alle Familienmitglieder stehen, kann die Klientin die Blickrichtung oder den Platz ggf. korrigieren, sofern ihr das stimmiger erscheint. Es kann sein, dass sich die Eltern gar nicht anschauen oder dass ein Mitglied der Familie abseits steht. Die Klientin setzt sich an einem Platz, wo sie einen guten Überblick hat. Ab jetzt ist sie nur noch Beobachterin und lässt das, was die Stellvertreter(innen) und die Leiterin sagen, auf sich wirken. Wenn man es nicht selbst miterlebt hat, mag man gar nicht glauben, dass die Stellvertreter(innen) auf ihren Plätzen Zugang zu den Gefühlen und Beziehungen der betreffenden Familienmitglieder haben. Oft übernehmen sie die Verhaltensweisen des Mitglieds, das sie vertreten, ohne die Person jemals selbst kennen gelernt zu haben. Die Stellvertreter erleben oft auch körperliche Veränderungen. Bekommen z. B. Bauchschmerzen, wenn das von ihnen zu stellvertretende Mitglied selbst darunter gelitten hat. Sie erspüren viele Gefühle und Beziehungen, die in dieser Familie – oft unter der Oberfläche – existieren. Sie spüren, wen sie in der Familie mögen und wen nicht, auf wen sie ärgerlich sind und mit wem sie gern mehr Kontakt hätten. Nach einer kurzen Einstimmphase befragt die Leiterin nacheinander die Stellvertreter(innen), wie sie sich an ihren Plätzen fühlen. Stellt sich dabei heraus, dass ein Familienmitglied fehlt, wird es hinzugestellt. Das kann man z. B. daran erkennen, dass die Mutter immer wieder auf einen freien Platz schaut. Später bei einem Gespräch zwischen der Klientin und ihrer Mutter stellt sich heraus, dass die Mutter vor der Klientin eine Fehlgeburt hatte, die sie der ihr verschwiegen hatte. Dass es sich um eine Fehlgeburt handelte, stellt sich schon während der Aufstellung heraus. Auch dieses nicht geborene Wesen gehört zur Familie und will anerkannt werden. Genauso wie ausgestoßene, verschwiegene oder vergessene Familienmitglieder. Werden diese Familienmitglieder aufgestellt, verändern sich oft die Gefühle der anderen Mitglieder. Häufig stellt sich heraus, dass auch noch Mitglieder aus älteren Generationen hinzugestellt werden, weil sie eine wichtige Rolle spielen. Die Leiterin, die eine bestimmende und dirigierende Rolle hat, fordert die Stellvertreter auf, ihre Stimmungen zu verbalisieren. Bei Bedarf gibt die Therapeutin den Stellvertretern Sätze auf, die sie nachsprechen. Z. B.: „Ich achte dich.“ Der Stellvertreter wird befragt, ob dieser Satz für ihn stimmig ist. Wenn nicht, wiederholt er den Satz ähnlich oder es muss weiter geklärt werden, warum dieser Satz nicht stimmig ist. Die stimmigen Sätze haben positive Wirkung. Dann seufzt jemand erleichtert auf, lächelt oder kann auf einmal Familienmitglieder anschauen, die er vorher nicht beachtet hat. Oft stellt die Therapeutin auch die Mitglieder um oder die Stellvertreter dürfen selbst ihren Platz verändern, falls sie das Gefühl dazu haben. Nicht nur bei einer Aufstellung stellt sich heraus, dass der Aufstellende durch bestimmte Ereignisse bei den Vorfahren sich mehr zu den Toten seiner Familie hingezogen fühlt als zu den Lebenden. Auf Nachfrage bestätigt der Betreffende, dass er schon öfter an Suizid gedacht hat. Dieses sich-hingezogen-Fühlen wird durch bestimmte Rituale aufgelöst. Sowohl die Stellvertreter der toten Mitglieder der Familie als auch die lebenden und der Betreffende selbst sind spürbar erleichtert, als der Aufstellende seinen Platz unter den Lebenden einnimmt und sich dort stimmig fühlt. In der Regel werden solange die Plätze verändert, bis sich jedes Familienmitglied auf seinem Platz wohlfühlt. Oft sieht für eine Familie die gute Ordnung so aus, dass die Eltern ihren Kinder gegenüberstehen. Vater und Mutter sind leicht zueinander gedreht, so dass sie einander und gleichzeitig ihre Kinder sehen können. Diese stehen ihren Eltern in einem leichten Halbkreis gegenüber, wobei im Uhrzeigersinn zuerst das ältere Kind kommt und dann die anderen ihrem Alter nach. In der Regel ist im Lösungsbild jeder sichtbar und gehört so mit dazu, auch die bisher vergessenen oder ausgeschlossenen Mitglieder. Dies ist für die ganze Familie heilsam. Am Schluss der Aufstellung tritt die Klientin, die ihre Familie aufgestellt hat, an den Platz ihrer Stellvertreterin. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sie aus der Distanz das Geschehen betrachtet. An ihren eigenen Platz gestellt, kann sie nun das neue Bild und die neue Ordnung in ihrer Familie bewusst wahrnehmen und auf diese Weise auch in sich aufnehmen. Oft lässt die Therapeutin die Klientin noch einige Sätze zu den anderen Familienmitgliedern sagen oder kleine Rituale machen. Je erfahrener und einfühlsamer die Therapeuten sind, desto stimmiger sind die Sätze oder Rituale für die Stellvertreter bzw. die Klienten. Manchmal ist auch ein Abbruch der Aufstellung nötig, wenn die Aufstellung stecken bleibt und die Stellvertreter(innen) unaufmerksam, müde und erschöpft sind. Aber auch diese Aufstellungen geben den betreffenden Klienten wichtige Anstöße und entfalten so eine gute Wirkung. In vielen Seminaren ist es auch möglich, nur Beobachter zu sein, d. h. seine eigene Familien nicht aufzustellen, aber ggf. als Stellvertreter(in) in den Aufstellungen mitzuwirken. Wer selbst aufstellen möchte, sollte sich gut vorbereiten. Je genauer man über alle wesentlichen Schicksale oder Ereignisse in der Familie informiert ist, umso besser ist es für das Finden der Lösung. Zur Schicksalsgemeinschaft gehören in der Regel: Geschwister, Halbgeschwister, auch verstorbene und totgeborene, Großeltern, manchmal auch Großtanten und –onkel oder Urgroßeltern. Wichtig sind ebenfalls alle Personen, die für andere in diesem System Platz gemacht haben, auch wenn sie nicht verwandt sind, z. B. ein früherer Mann oder eine frühere Frau der Eltern oder Großeltern oder frühere Verlobte, auch wenn sie gestorben sind. Wichtig sind alle Personen, aus deren Nachteil oder Verlust jemand im System einen Vorteil zog (z. B. beim Erbe). Wichtig sind alle, die für jemanden im System zu seinem Vorteil mitgewirkt haben und denen dann Unrecht geschah, z. B. Angestellten bei Betriebsaufstellungen. (Das gilt nur bei großem Unrecht.) Für die Aufstellung der Gegenwartsfamilie ist es günstig, über die Herkunftsfamilie des Partners in ähnlicher Form Bescheid zu wissen. Kinder übernehmen Gefühle und Verhalten von früheren Familienmitgliedern. An diesen Gefühlen und Verhaltensweisen, die ihnen eigentlich fremd sind, halten sie oft ein Leben lang fest. Hellinger nennt das „Verstrickung“. Die Kinder sind oft noch als Erwachsene mit diesen Personen „verstrickt“. Unbewusst versuchen sie, deren Schicksal auszugleichen. Z. B. durch Depressionen, Schuldgefühlen, Neigung zum Selbstmord.
Personen, die von der Familie ausgeschlossen oder vergessen wurden, werden regelmäßig in der nächsten oder übernächsten Generation durch ein neues Mitglied vertreten. In Aufstellungen kann es auch vorkommen, dass das Erbe, die Heimat oder eine Stadt aufgestellt werden, weil diese in dieser Aufstellung eine große Rolle spielen. Genauso kann man auch Krankheiten aufstellen. In der Zeitschrift ... wurde über einen Fall berichtet, in dem der Tinnitus noch während der Aufstellung wesentlich leiser wahrnehmbar wurde. Seit der Nachbearbeitung mit der Therapeutin in einer Einzelsitzung sind die Ohrgeräusche dauerhaft gar nicht mehr wahrnehmbar. Neben diesen Aufstellungen in Seminarform gibt es auch noch die Möglichkeit der Einzelberatung. Hier werden Figuren o. ä. als Stellvertreter eingesetzt. Durch die Arbeit mit Personen als Stellvertreter wird die Aufstellung umfassender, weil jeder einzelne Stellvertreter sofort Feedback geben kann, wenn seine Position verändert wird oder neue Stellvertreter(innen) hinzukommen. Nun darf man von Aufstellungen nicht zu viel erwarten. Diese Aufstellungen wirken in der Seele und es kann länger dauern, bis sich etwas verändert. Alle Seminarteilnehmer(innen) haben sehr viel – auch von anderen Aufstellungen – mitgenommen. Irgendwie war in den Aufstellungen immer etwas dabei, was auch einen selbst betraf oder was uns wertvolle Hinweise gab. Obwohl es teilweise sehr anstrengend war, als Stellvertreter(in) zu fungieren, haben wir es gerne für die anderen Teilnehmer(innen) gemacht. Auch wir haben jedes Mal etwas dazugelernt und freuen uns auf die zwei Wochenenden in einem halben Jahr, wo wir uns wieder treffen, um in vertrauter Runde unsere Gegenwarts- oder Ursprungsfamilie aufzustellen. Linkempfehlung: www.hellinger.com
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