| Antwort von Dr.Gerhard Hesse, Leitender Arzt der Tinnitus-Klinik
Arolsen, im Tinnitus-Forum (Zeitschrift der Deutschen Tinnitus-Liga): Sie beschreiben ein Phänomen, das wir bei unseren Patienten recht häufig erleben: Der Tinnitus verstärkt sich bzw. kommt erst ins Bewusstsein oder in die Hörwahrnehmung bei starken physischen oder psychischen Anstrengungen und ist dann besonders störend. Typisch ist auch, dass Sie diesen Zustand durch möglichst sofortige Einhaltung von Ruhe und einer gewissen Abschottung wieder eindämmen können. Natürlich kommt hinzu, dass nach einer gewissen Zeit, wo derartig auftretende Ohrgeräusche quasi bei Belastung eintreten, wie etwa in Ihrem Fall beim Gottesdienst (Anmerkung von mir: der Anfrager ist Pastor), noch eine gewisse Angst hinzukommt, dass nämlich der Tinnitus gleich einsetzen wird. Wir erklären Tinnitus heute weitestgehend als ein an irgendeiner Stelle, zumeist im Innenohr, entstehendes akustisches Phänomen ohne entsprechenden Reiz von außen. Dieses Phänomen kann auftreten nach bestimmten Schädigungen (Lärm, Entzündung), kann aber auch einer Spontanaktivität der akustischen Reizverarbeitung entsprechen. Tatsache ist, dass derartige Störaktivitäten der Hörbahn im Normalfall durch interne Filtermechanismen, die von der Hörrinde ausgehen, unterdrückt werden und so gar nicht den Grad der Hörwahrnehmung erreichen. Unter bestimmten Bedingungen sind jedoch diese Filtermechanismen eingeschränkt, hier gilt insbesondere die körperliche und physische Ermüdung. Dies liegt daran, dass die Unterdrückung von Störmechanismen und Störgeräuschen für die Hirnaktivität eine starke Beanspruchung bedeutet, die nur dann gelingt, wenn nicht auch andere Anstrengungen vorliegen." |
| "Wird er keineswegs bei allen Leuten. Viele haben ihn völlig
konstant, sind aber natürlich auch bei Sport z.B. abgelenkt oder hören
ihn bei lauter Musik weniger. Laute Musik ist übrigens durchaus schädlich für die Ohren und kann durch eine vorübergehende Überlastung der Hörsinneszellen vorübergehende Ohrgeräusche machen -- und durch allzu große Überlastung auch dauernden Tinnitus und Hörschäden erzeugen. Die Erklärung , warum bei Anstrengung der Tinnitus überhaupt reagiert ist nur hypothetisch: Tinnitus und überhaupt die Hörwahrnehmung ist sehr komplex und hängt von vielen Faktoren ab wie vom Wachheitsgrad (in bestimmten Schlafstadien z.B. stark erhöhte Hörschwelle), vom Angstpegel ab (unter Angst hört man wie ein Luchs), von Lebensmitteln wie Alkohol oder Drogen etc. etc. Der Thalamus (ein phylogenetisch uralter Hirnteil für ganz grundsätzliche Hirnfunktionen) und das limbische System (verantwortlich für Emotionen und Lust) im Hirn steuern die Hörbahnen und die Verarbeitung der Höreindrücke ganz erheblich mit und können also bei Anspannung, Sport oder Konzentration erheblichen Einfluss nehmen." (Quelle wird nachgereicht) |
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